Montag, 23. Oktober 2017
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Frömmigkeit und « Sentimentalität » (P. Ovila Melançon, c.s.c.)
Die religiöse Erfahrung

Ein Bischof denkt, dass die generelle "Stimmung", die sich aus den Niederschriften von Vassula Rydén ergibt immer "gefühlsbetont" sei.
In einer Botschaft an Vassula Rydén hat Jesus gesagt: "Man muss Gott immer und überall an die erste Stelle setzen, um dies zu erreichen, muss man mit Gott innig-vertraut sein. Sich Ihm mit dem Herzen nähern, nicht mit dem Verstand." Diesbezüglich muss man bekennen, dass es Nuancen gibt und Präzisierungen dazu notwendig sind.

Man kann die ’religiöse Erfahrung’, oder präziser "die Kenntnis Gottes durch Erfahrung" als einen Akt oder ein Zusammenwirken von Handlungen
ansehen, welche es dem Menschen erlauben in Beziehung mit dem lebendigen Gott zu treten, und auch so ganz im Glauben verwurzelt zu bleiben. Diese Art von ’Erfahrungen’ gehen aus der Entfaltung der heiligmachenden Gnade, von eingegoßenen Tugenden und den Gnadengaben des Heiligen Geistes hervor.

Der religiösen Erfahrung begegnet man in der eingegoßenen Kontemplation, aber auch in den geistigen Tröstungen der freigiebigen Anfänge und nach der Taufe im Heiligen Geist.

Diese Erfahrung steht nicht über dem Glauben oder außerhalb des Glaubens; sie hat ihren Platz im Innern des Glaubens, welcher so die völlige Verwirklichung seiner Natur erlangt, mit der Hoffnung und der Liebe, denn diese Tugenden haben Gott selbst als Gegenstand. Keine rein menschliche Aktivität kann dieses Bewusstsein der Gegenwart Gottes in sich bewirken, sondern alleine die Gnade Gottes.

Trotz möglicher Abschwenker, hat Christus nie hören lassen, dass die religiöse Erfahrung von dem christlichen Glauben ausgeschlossen werden müsste.

Der Heilige Paulus spricht ausführlich über die Früchte des Heiligen Geistes, welche Zeichen der wirklichen Gegenwart des Heiligen Geistes sind, und welche sich spüren und verkosten lassen: "Kostet und seht, wie gütig der Herr ist", wie es der Psalmist (Ps 34, 9) geschrieben hat. Und die Kirche hat immer flehentlich um die Ausgießung des Heiligen Geistes und Seiner Gaben, sogar um die Gabe der Tränen (Reue), gebetet. Man muss diese Gaben deshalb als normale echte Erfahrung Gottes anerkennen.

Die geistigen Tröstungen sind oft die Harmonie, die von der Liebe Gottes herstammt. In dem sie ihr Mitwirken durch die Liebe am wiederbelebten Willen zeigen, können sie sehr nützlich sein, solange sie dem Willen und der Liebe untergeordnet sind. Es handelt sich dabei um die höchste Sublimation, welche wir mit unseren affektiven Kräften erreichen können.

Ohne Zweifel muss man unterstützen, dass die religiöse Erfahrung, oder, gemäss dem technischeren Ausdruck, die "Erkenntnis Gottes durch Erfahrung", im christlichen Leben einen gesunden Platz einnimmt.

Dennoch verharrt diese Erfahrung nicht immer in den feurigen Seelen, auch außerhalb der Perioden innerlicher Reinigung, d.h. der Nacht der Sinne und der Nacht des Geistes.

Nach der Theologie muss jede gläubige Seele zur möglichst intensiven affektiven Liebe Gott gegenüber tendieren. Hierbei muss man zwischen empfindbaren Tröstungen während der gewöhnlichen Meditation, und den Gefühlen von Liebe während der eingegoßenen Kontemplation unterscheiden.

Dieses Gefühl empfundener Liebe Gott gegenüber, welche während der eingegoßenen Kontemplation und im mystischen Zustand empfunden wird, darf nicht unter dem Vorwand der Abtötung zurückgewiesen werden, denn sie bevorzugt die Einheit mit Gott.

Es handelt sich um Gnaden, welche man "indéiques" (von Gott im Inneren gewirkt) nennt, durch sie manifestiert sich Gott selbst. Wenn sich die Manifestation Gottes auf ein geschaffenes Wesen legt, wie bei der Jungfrau Maria, den Engeln und den Heiligen, bei den Offenbarungen, dann handelt es sich um Gnaden, die man "exdéiques" nennt.

Wenn der Getaufte die heiligmachende Gnade empfängt, empfängt er auch die tiefgreifende Macht die Gegenwart Gottes zu erfahren. Allerdings ist dies für das Kind noch unmöglich, da es ihrer geistigen Kräfte noch nicht ausüben kann, oder wie beim Gläubigen, in dem sich die Gnadengaben nicht hinlänglich entwickelt haben. Deshalb muss man bekräftigen, dass die religiöse Erfahrung zum Heil nicht notwendig ist.

Im Leben der Gläubigen muss man zwischen der effektiven (absoluten) Liebe und der affektiven Liebe zu Gott unterscheiden. Die effektive Liebe zu Gott ist vorallem eine Liebe die den anderen schätzt und sie ist bereist recht wirksam, d.h. sie befiehlt bereits das ganze Leben in Gottes Hände, ohne Ausnahme, trotz den lässlichen Sünden. Was die affektive Liebe zu Gott betrifft, so ist sie vorallem ein Elan der gefühlten Liebe, eine Ladung von Liebe, welche das Leben im Himmel vorausahnen lässt.

Ohne Zweifel: Die Stufen der effektiven Liebe und der affektiven Liebe zu Gott und ihr Verhältnis sind sehr variabel, je nach der geistigen Physiognomie, den Stufen des inneren Lebens, den Methoden des Gebets und, das gilt für jedes Individuum, je nach den Schwankungen der Seelenzustände.

Aber auf eine generelle Weise muss man bejahen, dass der gewöhnliche Akt der reinen Liebe allen Gläubigen zugänglich ist, und der Liebesakt ist, durch den man Gott liebt, effektiv, über allem, da er unendlich besser ist als alle Gnadengaben, durch den man zur Liebe gelangt, affektiv, weit mehr als durch alles andere, und was im Himmel sich vollkommen realisieren wird.

Zum Thema "Vorteile": Was aus der affektiven Kenntnis Gottes, welches sich aus der religiösen Erfahrung ergibt, resultieren kann - muss man sich dieses Prinzip in Erinnerung rufen, nach dem "der auf den Geschmack gekommen ist, davon profitiert und sich nährt". Die Kenntnis Gottes aus der Erfahrung hat folglich gewissermaßen einen ambivalenten, hybriden, halb-intellektuellen Charakter, da es sich um eine Kenntnis handelt, welche von der Liebe durchwirkt ist.

Diese Kenntnis durch Erfahrung und in der Liebe Gottes ist nicht die Frucht eines Gedankenganges, sondern wird durch eine besondere Eingabe (Erleuchtung) des Heiligen Geistes gewirkt, nach einer Mit-Natur oder Sympathie mit den göttlichen Dingen.

Auf eine allgemeine Weise muss man unterstützen, dass die religiöse Erfahrung einen normalen Platz im gläubigen Leben hat; gleichwohl, trifft man sie nicht immer an.

Daher verkosten die Gläubigen, welche sich mit der Erfüllung des Minimums der evangelischen Anforderungen zufrieden geben, normalerweise nicht die Tröstungen Gottes. Wenn jedoch ein Anfänger die Entscheidung trifft, dem Herrn mit Großzügigkeit zu dienen, wird er reichlich empfindbare Tröstungen erlangen.

Und wenn der Eifer sich eine beachtliche Zeit lang hält, kommt plötzlich die Nacht der Sinne, welche in der inneren Dürre eintaucht, damit vorallem die Sensibilität gereinigt wird. Nach dieser Bewährungsprobe, bei welcher die Dauer je nach Individuum unterschiedlich ist, die sich jedoch über einige Jahre mit einigen Aufheiterungen erstrecken kann, folgt eine Periode des inneren Friedens, die man das ’erleuchtete Leben’ (la vie illuminative) nennt.

Folgt dann darauf eine zweite Nacht, ist es die Reinigung des Geistes, welche jedoch relativ selten ist. Die geistige Trockenheit ist viel beschwerlicher wie die erste Nacht, sie macht jedoch den Weg frei für die Vollkommenheit des gläubigen Lebens, das heisst, ’la vie unitive’, das ’vereinigte Leben’.

Nun wird die religiöse Erfahrung wieder hervorkommen, mit einer Intensität und Hochgefühlen, welche mit menschlichen Worten schwer zu beschreiben sind: Es ist wie eine Vor-Verkostung des Himmels auf Erden. Der Glaube wurde tief gereinigt, ist jedoch weit davon entfernt, die Kenntnis Gottes aus Erfahrung auszugrenzen.

Man muss natürlich den klassischen Irrtum der Pflingstler, welcher die Tendenz hat die religiöse Erfahrung zum Lehrsatz zu erheben, vermeiden. Deshalb: Die Lehre (Christenlehre) ist eine Notwendigkeit, und insbesondere dafür da die objektive Echtheit aller subjektiven Erfahrungen, die ihr (der Lehre) nie widersprechen können, zu garantieren.

Auf jeden Fall bleibt es wahr, dass der Mensch zur seligmachenden Schau, welche vor allem in der Kenntnis und der Liebe Gottes liegt, bestimmt ist. Diese unaussprechliche Erfahrung ist für das ’andere Leben’ bestimmt, es wäre jedoch falsch, wenn man behauptet, dass das gegenwärtige Leben sich immer in einer tiefen Glaubensnacht abspielen muss, ohne irgendein Licht aus dem persönlichen Kontakt mit Gott heraus. Im Gegenteil: Gott beginnt bereits seinen Kindern einige Lichtstrahlen der himmlischen Glückseligkeit zu vermitteln.

Die Rolle der Affektivität in der Frömmigkeit

Die Affektivität spielt eine gewisse Rolle in der Frömmigkeit; sie kann die Ursache von Freude oder Trauer sein, vor allem jedoch der Freude. Die Erwägung der Schönheit Gottes schafft Freude, wohingegen die Sicht auf unsere eigene Armseligkeit die Traurigkeit erzeugen kann, die Hoffnung jedoch auf die göttliche Hilfe kann die Freude und den Frieden wieder herstellen.

Die Gefühle, welche in Harmonie mit der Liebe Gottes sein können, sind, wie die Philosophen sagen, überragende Gefühle und keine minderwertigen Gefühle, welche empfindliche Ursprünge haben, während dem der Gegenstand der höheren Gefühle geistig ist und die Stimmung heben.

Normalerweise ist die geistige Freude die Frucht der Großzügigkeit im Dienste des Herrn; wobei es sich bei der schlechten Traurigkeit um Fauhlheit in der Erfüllung der notwendigen religiösen Aufgaben zur Heiligung handelt, sie nennt sich Akedia (Trägheit), welche das Prinzip der Halbherzigkeit ist.

Aristoteles bestätigte zu Recht, dass "niemand während längerer Zeit in der Traurigkeit, ohne irgendeine Freude, verbleiben kann". Tatsächlich: Jener, welcher durch seine Nachlässigkeit und durch seine Faulheit auf jegliche geistige Tröstungen verzichtet, endet damit, mindere Vergnügungen zu suchen.

Die reinigenden Dürren unterscheiden sich wohl von der Akedia, denn sie hinterlässt in der Seele eine nicht unterbrochene Fürsorglichkeit Gott treu zu dienen. Was die liebliche Liebe und die Erfüllung mit Hochgefühlen, welche aus dem Gebet in der Stille herrührt, betrifft - schrieb die Heilige Theresa von Avila insbesonders: "Wenn man diese Lieblichkeit verkostet, scheint es, dass der ganze innere Mensch und sein Äußeres gestärkt werden, wie wenn man eine liebliche Salbung in das Mark der Seele gießt, welche einem auserlesenen Parfum gleicht. [...]"

« Große Wahrheiten werden der Seele bekannt gemacht. Dieses Licht, welches sie auf eine solche Weise blendet, dass sie nicht begreift, was es ist, ihr jedoch die Eitelkeit der Welt aufzeigt; falls sie den guten Meister nicht sieht, welcher ihr diese Lehren gibt, so versteht sie doch, dass Er mit ihr ist.

« Sie bleibt so klar, sie entdeckt in ihr so wunderbare Effekte, und sieht sich bestätigt in der Tugend, dass sie sich nicht wieder erkennt. Sie möchte nichts anderes tun, oder sagen, wie den Herrn zu lobpreisen. » (Œuvres complètes, pp. 1428-1429; Übersetzung aus dem Französischen)

Man muss berücksichtigen, dass die echten geistigen Tröstungen göttliche Gnadengaben sind. Es ist deshalb angemessen, sie mit Demut zu empfangen, und nicht denken, dass man aufgrund ihnen besser sei, sondern indem man diese Gnaden der Güte Gottes uns gegenüber zuordnet.

Man muss die empfindbaren Tröstungen, welche manchmal das gesprochene Gebet oder die Meditation der Anfänger begleiten, von den Empfindungen der gefühlten Liebe der eingegoßenen Kontemplation (Betrachtung) unterscheiden. Tatsächlich kann man eine gewisse affektive Kenntnis Gottes durch de einfache Übung des Glaubens vereinigt mit der Liebe haben, und dies ist der Fall bei den erhaltenen Tröstungen in der gewöhnlichen Betrachtung in der die Empfindsamkeit einen großen Teil einnehmen kann. Bei der Betrachtung werden jedoch höhere Stufen des Gebets eingegoßen und erfordern außerdem eine Erleuchtung oder Inspiration des Heiligen Geistes, auf den hin uns die Gabe der Weisheit gefügig und folgsam macht.

Das gewöhnliche Gebet beinhaltet vier Stufen: 1) Das gesprochene Gebet, welches lediglich ein einfaches Rezitieren ist; 2) Das diskursive (schlussfolgerndes; logisch folgerndes) Gebet, jenes der Händler, welches aufeinanderfolgende Überlegungen oder Argumentationen beinhaltet; 3) Das affektive Gebet: Ein geistiges Gebet, in dem es viel Zuneigung gibt und indem die Verbundenheit mehr Platz wie die Argumentationen einnimmt; 4) Das Gebet der Einfachheit, welches die Vereinfachung in die Wahrheit der affektiven Gefühle voranbringt.

Vor allem in den beiden letzten Stufen des Gebets, von denen wir vorgängig gesprochen haben, erkennt man die Notwendigkeit und die Normalität der empfindbaren Tröstungen. Diese Händler benötigen es, der Welt Adieu zu sagen, um durch einige geistige Tröstungen angezogen zu werden, welche besser sind wie die trügerischen Annehmlichkeiten hier auf Erden.
Gleichwohl, ist es hier angemessen, aufmerksam zu machen, dass, wenn auch die Empfindsamkeit sein Mitwirken zum Willensakt anbieten kann, welches von Nutzen ist, belebt von der Liebe, dann wird dieses Mitwirken nicht immer nötig sein; tatsächlich wird es in den Dürren der reinigenden Nacht der Sinne verschwinden, welche nach einer Periode des Eifers hochkommen wird.

Die nachfolgenden Schritte des Gebets sind der Mystik zuzuordnen, und sie beinhalten die eingegoßene Kontemplation, welche sich stufenweise vervollkommnet in dem Maße in dem die Seele in der Vollkommenheit voranschreitet. Dies sind, gemäß der Heiligen Theresa von Avila das Gebet in der Stille, die vollkommene Vereinigung, die ekstatische (verzückte) Vereinigung und die transformierende Vereinigung. Der Heilige Johannes vom Kreuz unterscheidet die Stufen des inneren Lebens auf eine andere Weise, aber seine Klassifikation stimmt substantiell mit der der Heiligen Theresa von Avila überein.

Was ist die eingegoßene Kontemplation?

Die eingegoßene Kontemplation ist eine Kenntnis des Glaubens und der Liebe; sie ist eine gewisse Intuition der ersten Wahrheit, welche Gott selbst ist, sie überschreitet jedoch die Grenzen des Glaubens nicht. Sie ist daher keine sofortige Schau Gottes, so wie er selbst ist, wie in der seligmachenden Schau. Der Einfluss der Gabe der Weisheit lässt uns erkennen, ohne Gedankengänge, dass Gott in uns gegenwärtig ist, mit (all) seinen Auswirkungen, vor allem in der kindlichen Zuneigung, welche er selbst in uns für ihn inspiriert.

Diese Kontemplation ist eine Mischung aus Licht und Liebe, welche durch den Heiligen Geist und seine Gnadengaben eingegoßen wird. Allerdings, dominiert, bei gewissen Leuten, das Licht; bei anderen ist es die Liebe. Dieser Unterschied liegt in der Unterschiedlichkeit der geistigen Physiognomien.

Man kann die eingegoßene Kontemplation hinsichtlich der psychologischen und der theologischen Sichtweise betrachten. Hinsichtlich der psychologischen Sichtweise ist die eingegoßene Kontemplation eine generelle und verliebte Aufmerksamkeit zu Gott. Da sie eine Aufmerksamkeit Gott gegenüber sit, ist sie ein Akt der Intelligenz, jedoch ist sie auch ein Willensakt, da diese Aufmerksamkeit amourös (verliebt) ist.

Dies verliebte Kenntnis (Gottes) beruht vor allem auf einer wahrhaftigen Mit-Natur mit Gott, das heisst, auf eine Lebensgemeinschaft mit Gott, der Frucht der Liebe. Sie ist zugleich äußerste geistige Aktivität der Seele und souveräne Passivität, unter dem Wirken des Heiligen Geistes. Die Kontemplation ist daher ein verliebter Blick auf Gott, ein Akt der friedvollen und ruhigen Kenntnis, in dem die Seele die Weisheit, die Liebe und Gunstbezeigungen trinkt.

Wenn man die eingegoßene Kontemplation bezüglich der theologischen Sichtweise betrachtet, kann man sagen, dass sie der Glaube ist, welcher beginnt Gott zu schauen, unter dem Drang der Liebe. Der Glaube braucht die Liebe um kontemplativ zu werden; diese Liebe trägt den Blick der Seele zu Gott hin, in dem sie dem Glauben folgt, bis zu dem Punkt, dass dieser alle menschlichen Ideen, die sie komprimiern oder begrenzen, übersteigt, damit die Seele Gott erreichen kann.

Die eingegoßene Kontemplation ist keine charismatische Gnadengabe,
da sie direkt der persönlichen Heiligung zugeordnet ist. Sie wird zur Vollkommenheit benötigt, und sie gehört zu deren Unversertheit, wie das Geschenk, gute Augen zu haben nicht dem Wesen des Menschen sondern zu seiner Unversertheit gehört.

Wenn man die eingegoßene Kontemplation manchmal als außergewöhnlich bezeichnet, dann ist es in dem Sinne, dass sie de facto faktisch selten vorkommt, jedoch de jure (von Rechts wegen) nicht. Tatsächlich ist die Kontemplation für alle normal, in dem Sinne, dass alle dazu gerufen sind, wenn auch auf eine entfernte Weise: Über diesen Punkt der Lehre kann man heutzutage praktisch nicht mehr diskutieren.

Relativ wenig Seelen gelangen zur eingegoßenen Kontemplation und die Mehrheit sind zurückgebliebene Seelen, ein wenig wie die Kinder, mehr oder weniger normal, welche die Krise der Jungend nicht glücklich durchwandern und die, ohne dass sie Kinder bleiben, niemals die Entwicklung eines Erwachsenen erlangen. Diese zurückgebliebenen Seelen lassen sich weder bei den Händlern noch bei den Vorangeschrittenen einordnen. Man könnte sagen, das sie wie geistige "Zwerge" sind.

Um die eingegoßene Kontemplation und die mystische Vereinigung mit Gott zu erreichen, muss man gewisse innere und äußere Konditionen entwickeln, welche von der Großzügigkeit eines jeden im Dienst zu Gott abhängt.

Die Basis, der Kern der eingegoßenen Kontemplation, ist eine verliebte Kenntnis, welche nicht durch intellektuelle Überlegungen erlangt werden kann, sondern welche vom Heiligen Geist erzeugt wird, durch die Vermittlung der Gabe der Weisheit.

Diese Gabe lässt den Glauben zur Erfahrung werden, durch eine besondere Erleuchtung des Heiligen Geistes, in der Verkostung und der Mit-Natur der Liebe. Es ist wie eine Morgenröte der ewigen Schau, welche das Übernatürliche empfindbar werden lässt, folglich sind die Mysterien für unsere Augen nicht mehr reine Abstraktionen. Sie erschienen uns im Gegenteil wie eine Welt, welche absolut real und vertraut ist, bevölkert von unaussprechlichen Realitäten und ewig lebenden Personen.

Eine der Merkmale der eingegoßenen Kontemplation und der mystischen Vereinigung mit Gott ist, dass in der Seele Gefühle von empfundener Liebe, der Ruhe und der Freude bewirkt werden. Diese Gefühle können sehr ruhig oder gewaltsam hereinbrechen, und werden unter dem Einfluss des Heiligen Geistes gewirkt, wobei die Seele in einem passiven Zustand verbleibt. Es ist sehr wichtig zu wissen, dass diese Gefühle von Liebe nicht zurückgewiesen werden müssen, unter dem Vorwand der Abtötung, denn sie begünstigen die Vereinigung mit Gott. Außerdem entzieht sich die Kontemplation, welche durch den Heiligen Geist in die Seele gegoßen wird unabhängig von der Ausübung der Intelligenz und der Sinne, den Fallstricken des Dämons.

Die Gefahren der Illusion kommen gewöhnlicherweise in der eingegoßenen Kontemplation selbst nicht vor, und falls, dann, gemäß geistigen Autoren, weil die Kontemplation nicht wirklich war. Tatsächlich, sogar dann hat sie als herausragendes Ergebnis einem zur Liebe zu Gott zu drängen und zur Ausübung der Tugenden.

In der Nacht der Sinne dominiert der Einfluss der Gabe der Wissenschaft und Erkenntnis, welcher uns vor allem die Eitelkeit der geschaffenen Dinge verstehen lässt: In der Nacht des Geistes wirkt vor allem die Gabe der Fassungskraft, welche uns vor allem die Majestät Gottes und unser Elend aufzeigt.

Während des erleuchteten Lebens jedoch, welches sich zwischen den beiden Nächten einordnet, ist es die Gabe der Weisheit, welche immer wie mehr in der Seele wirkt, in dem Maß in dem sie in der Vollkommenheit wächst: Diese Gnadengabe entfaltet die Kenntnis der göttlichen Dinge aus Erfahrung.

Bei gewissen vollkommenen Seelen jedoch ist der Einfluss der Gnadengabe der Weisheit eklatant. Bei anderen verbleibt sie verschwommen, jedoch sehr real; bei diesen letzterwähnten Seelen ist die praktische Gnadengabe des Rates (Unterweisung), der Stärke oder jene der Frömmigkeit und der Wissenschaft, welche sich mehr manifestieren, sie sind jedoch alle unter der Führung des Heiligen Geistes der Weisheit.

Die Kenntnis aus Erfahrung und aus der Liebe zu Gott ist nicht diskursiv, sie ist keine Folgerung, sondern die geht aus einer besonderen Erleuchtung des Heiligen Geistes hervor, nach der Mit-Natur oder Sympathie mit den göttlichen Dingen, welche auf die Liebe gegründet sind.

Damit die Heilige Dreifaltigkeit in uns wohnen kann, braucht es keine aktuelle Kenntnis aus Erfahrung, es genügt, dass wir daraus die Macht durch die Gnade der Tugenden und der Gnadengaben haben.

In dieser Kenntnis aus Erfahrung, erreicht die Intelligenz Gott nicht unmittelbar, das heisst, so wie er ist, wie in der seligmachenden Schau.
Nebenbei: Der Gerechte kann nicht mit einer absoluten Gewissheit die übernatürliche Wirkung der kindlichen (als Sohn oder Tochter Gottes) Liebe von gewissen natürlichen Schwüngen des Herzens, welche einander ähneln, unterscheiden.

Der Glaube ist eine Überzeugung, dass übernatürliche Dinge in uns gesetzt wurden; wobei sie in dem Verstand verwurzelt und ein natürlicher Gegenstand bei den Geschöpfen sind und sie sich bis zu Gott erheben können. Deshalb bedarf der Glaube einer Vollkommenheit, welche dabei hilft sich gegenüber der Versuchung der Geschöpfe abzuwenden, und sich über die Augenfälligkeit des Verstands zu erheben.

Die Gabe der Wissenschaft (und Erkenntnis) wird dem Glauben dabei helfen, in den Geschöpfen einen Weg zu gott zu finden; die Gnadengabe der Fassungskraft und Einsicht lässt einen noch mehr in die Grundlagen des Glaubens eindringen; die Gnadengabe der Weisheit wird den Glaben sozusagen erfahrbar machen, durch die besondere Erleuchtung des Heiligen Geistes, mit der Verkostung und der Mit-Natur an der Liebe. Der Glaube wird daraufhin sozusagen "mit Sinn/Empfinden ausgestattet", um den Wortlaut des Heiligen Thomas von Aquin wieder aufzunehmen. (Summa Theologica, französische Ausgabe: 3e p., q.55, a.2, sol.1).

Man muss ohne Zweifel aus der religiösen Erfahrung nichts Absolutes und auch nicht als einzigen Weg nehmen, und vergessen, dass das gläubige Leben sich durch die Lehre Christi führen lassen muss, welches von der offiziellen Kirche übermittelt wird.

Im Studium und der Auseinandersetzung mit der katholischen Glaubenslehre müssen die Intelligenz und das Herz einschreiten. Falls die Intelligenz alleine handelt bleibt die Lehre spröde und trocken; falls jedoch das Herz alleine bleibt, kommt es leicht zum Irrtum und dieser schadet immer.

Dennoch muss man anerkennen, dass man manchmal die Tendenz hat, de Rolle der Intelligenz zu verachten, und dies ist schade... Es scheint zu bestätigen, dass in der charismatischen Erneuerung zum Beispiel, der charismatische Dienst des Lehrers (Epheser 4, 11) und die lehrmäßige Unterscheidung oft fehlen...

*Père Ovila Melançon (Congrégation de la Sainte-Croix; Kongregation des Heiligen Kreuzes)
in « Jésus appelle Sa Messagère », (übersetzt: "Jesus ruft Seine Botin") F.-X. de GUIBERT, Paris 1994, pp. 43-54.
* Père Ovila hat über fünfzig theologische Werke verfasst, von denen viele dem Problem der geistigen Unterscheidung gewidmet sind. Nachdem er Professor der Philisophie war, wirkt er bei zahlreichen religiösen Zeitschriften mit und begleitet mehrere charismatische Gruppierungen.
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