Montag, 23. Oktober 2017
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Aus der Sicht der orthodoxen Kirchen

Einige Leser werden die Eigenheiten der Organisation der orthodoxen Kirchen nicht verstehen mögen. Wobei der Patriarch von Konstantinopel mit seinem Vorrang gegenüber den anderen Patriarchen anerkannt wird; diese Vorrangstellung jedoch in keiner Weise bedeutet, dass die jeweiligen Zuständigkeiten beaufsichtigt werden. Jeder der anderen Patriarchen ist unabhängig und hat die Ermächtigung sein Gebiet zu verwalten, so wie er dazu inspiriert wird - nach dem kanonischen Recht und den Traditionen der orthodoxen Kirche. Da es keine zentralisierte Amtsgewalt gibt, bedürfen die Orthodoxen einer Synode, um in bedeutenden Glaubensangelegenheiten eine Entscheidung zu treffen. Einzelne Bischöfe berichten einem der Patriarchen und diese Körperschaften werden als verschiedene Bischofssitze verwaltet.

Die orthodoxen Kirchen haben keine vereinheitliche kirchliche Hierarchie. In Bezug auf das WLIG bevorzugen es die meisten von ihnen, eine „warten wir zu & lasst uns sehen“-Haltung aufrecht zu erhalten.

Der Herausgeber einer der Fachzeitungen der orthodoxen Kirche Griechenlands bemerkt, dass Vassula durch eigenen Antrieb in Form, wenn nicht gar vom Inhalt her, selbst "abgefallen sei". Nichts könnte von der Wahrhheit entfernter sein. Vassula ist nicht selbst "abgefallen". Vielmehr ist es so, dass sie ihren Stand in der orthodoxen Kirche aufrecht erhält, indem sie einen orthodoxen Priester als ihren Beichtvater hat und fortfährt das orthodoxe Sakrament der Heiligen Kommunion in der orthodoxen Kirche - und dies sehr regelmässig - zu empfangen.

Wiederum ist es eine Missinformation die gegen das WLIG kursiert und die Aussage beinhaltet, dass Vassula die Heilige Kommunion in der römisch-katholischen Kirche erhalten würde, und dass dies ein Umstand sei, der einen orthodoxen Gläubigen den orthodoxen Kanon übertreten lassen würde. Tatsächlich untersagt der orthodoxe Kanon den orthodoxen Gläubigen die Eucharistie von einer Kirche zu empfangen, die die orthodoxe Kirche exkommuniziert hat (mit einem "Anathema" belegt hat). Geschichtlich gesehen, war dies der Fall zwischen den Kirchen von Rom und Konstantinopel, die sich gegenseitig die Exkommunikation zugesprochen hatten hinsichtlich des FILIOQUE, welches von Papst Leo IX. und Michael, dem Patriarchen von Konstantinopel im Jahre 1054 n.Chr. in Kraft gesetzt wurde.

Gegenwärtig, indes, sind die beiden Kirchen NICHT MEHR DURCH EXKOMMUNIKATION VONEINANDER GETRENNT! Am 7. Dezember 1965 HABEN Papst Paul VI und der Patriarch von Konstantinopel, Athenagoras die gegenseitige Exkommunikation AUFGEHOBEN und als Folge davon erlaubt die römisch-katholische Kirche nun den Orthodoxen die Eucharistie zu empfangen (Kanones 844 §3).

Leider ist es die Praxis der meisten orthodoxen Bischöfe, diese Erlaubnis im Gegenzug nicht zu gewähren, indem sie den römisch-katholischen Gläubigen, die in intakter Beziehung zu ihrer Kirche leben, die Bewilligung zur Heiligen Kommunion verweigern.

Die orthodoxen Kleriker sehen sich als die "Wächter des wahren Glaubens" und deshalb glauben sie wahrscheinlich, dass, wenn sie ihre Heilige Eucharistie mit den Gläubigen der römischen Kirche teilen, es als ein "Verrat" am wahren Glauben angesehen werden könnte; diesbezüglich gibt es dogmatische Differenzen zwischen diesen beiden Schwesterkirchen. (zwischen der Ost- und der West-Kirche). Gegenseitige Gespräche werden zwischen den beiden fortgesetzt, in einem ausserordentlich gemäßigten Tempo, bei dem der "Knack"-Punkt die Uneinigkeit bei der Frage ist, ob der Papst die Amtsgewalt habe, die Angelegenheiten der orthodoxen Patriarchen zu beaufsichtigen.

Dennoch ist es eine Tatsache, dass die gegenseitige Exkommunikation zwischen den Kirchen des Ostens und des Westens aufgehoben wurde - durch beide Kirchen!

Einige mögen in Frage stellen, ob Paul VI. und Athenagoras die Autorität hatten, die Exkommunikation Kraft ihrer eigenen kirchlichen Amtsbefugnis aufzuheben... In Wirklichkeit haben sie das getan: Patriarch Athenagoras war der legitime Nachfolger von Patriarch Michael und Papst Paul VI war der legitime Nachfolger von Papst Leo IX. Deshalb hatten die beiden Patriarchen Athenagoras und Papst Paul VI gemäss den apostolischen Kanones die rechtmäßige Befugnis, die Exkommunikation gegenseitig aufzuheben. Und dies ist genau das, was sie an diesem 7. Dezember 1965 taten!

Die Entscheidung des Patriarchen Athenagoras die Exkommunikation der römisch-katholischen Kirche aufzuheben, wurde durch seinen Nachfolger, den Patriarchen Dimitrios bestätigt, der angeordnet hatte[2], dass „ein Orthodoxer die Heilige Kommunion von einem römisch-katholischen Priester empfangen könne“.


Dennoch, scheint es, dass ‚Kirchenpolitiker‘ die Wünsche Gottes, auf dass wir alle eins seien[3], behindern. Die orthodoxen Bischöfe konnten die Aufhebung der Exkommunikation nur zögernd akzeptieren und sie haben Bartholomäus I., dem gegenwärtigen griechisch-orthodoxen Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, gedrängt[4], seine Kirche von der römisch-katholischen Kirche zu distanzieren.

Gleichwohl bleibt die frühere Exkommunikation offiziell, unter Einhaltung der Kanones der Kirche, ordnungsgemäß aufgehoben! Die Orthodoxen anerkennen dadurch in keiner Weise die Unfehlbarkeit irgendeines Patriarchen oder Bischofs. Sie alle müssen den Kanones und der Tradition der Kirche folgen. Deshalb, wenn gewisse orthodoxe Bischöfe ihrer Herde verbieten die römisch-katholische Eucharistie zu empfangen: Auf welchen Kanones stützt sich dann ihr Urteil? Weshalb sollte es also für einen Orthodoxen falsch sein, die Heilige Kommunion von einem römisch-katholischen Priester entgegen zu nehmen?

Ungeachtet dem vorangehend gesagten: Damit die orthodoxen Kirchen das WLIG im ganzen anerkennen würden, würde es wahrscheinlich einer weltweiten Synode bedürfen… etwas, das zuletzt im 8. Jahrhundert n.Chr. geschah. Der Autor dieses Artikels glaubt, dass nur eine göttliches Eingreifen bewirken würde, dass die Orthodoxen eine panorthodoxe Synode einberufen um das WLIG zu anzuerkennen!

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